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Allgemein 9 Min. Lesezeit 29.07.2026

Wegovy oder Mounjaro? Der Direktvergleich auf Basis der SURMOUNT-5-Studie

Erstmals wurden beide Abnehmspritzen direkt verglichen: Tirzepatid erreichte im Schnitt 20,2 Prozent Gewichtsverlust, Semaglutid 13,7 Prozent. Was die Zahlen bedeuten, was sie nicht bedeuten und warum die Wahl trotzdem individuell bleibt.

Kaum eine Frage wird in Sprechstunden und Foren häufiger gestellt: Wegovy oder Mounjaro? Lange liess sie sich nur indirekt beantworten, weil die beiden Medikamente in getrennten Studienprogrammen untersucht wurden. Seit der SURMOUNT-5-Studie gibt es den direkten Vergleich — mit einem klaren Durchschnittsergebnis und wichtigen Einschränkungen, die man kennen sollte.

Zwei Wirkstoffe, zwei Mechanismen

Wegovy enthält Semaglutid, einen reinen GLP-1-Rezeptor-Agonisten: Er ahmt das körpereigene Sättigungshormon GLP-1 nach, dämpft Appetit und Hunger und verlangsamt die Magenentleerung. Mounjaro enthält Tirzepatid, einen sogenannten Dual-Agonisten: Er wirkt zusätzlich auf den GIP-Rezeptor, ein zweites Hormonsystem des Zucker- und Fettstoffwechsels. Diese doppelte Wirkung ist der biologische Grund, warum Tirzepatid in Studien im Durchschnitt stärkere Effekte zeigt.

Der direkte Vergleich: SURMOUNT-5

Die im New England Journal of Medicine publizierte SURMOUNT-5-Studie verglich beide Medikamente erstmals Kopf an Kopf bei Menschen mit Adipositas ohne Diabetes — über 72 Wochen, mit den jeweils höchsten damals zugelassenen Dosen (Tirzepatid 15 mg, Semaglutid 2,4 mg). Das Ergebnis: Unter Tirzepatid verloren die Teilnehmenden im Durchschnitt 20,2 Prozent ihres Körpergewichts, unter Semaglutid 13,7 Prozent. Der Unterschied ist deutlich und statistisch robust. Er bestätigte, was die getrennten Programme bereits andeuteten: STEP-1 hatte für Semaglutid rund 16,9 Prozent gezeigt, SURMOUNT-1 für Tirzepatid bis zu 22,5 Prozent bei der Höchstdosis.

Was die Zahlen NICHT bedeuten

So klar der Durchschnitt ist — drei Einschränkungen gehören zur ehrlichen Einordnung:

  • Durchschnitt ist nicht Individuum: Hinter den Mittelwerten steht eine grosse Streuung. Es gibt Menschen, die auf Semaglutid hervorragend ansprechen, und solche, die auf Tirzepatid weniger stark reagieren — und umgekehrt. Welche Wirkung du persönlich erlebst, lässt sich vorab nicht sicher vorhersagen.
  • Die Dosislandschaft hat sich verschoben: Seit 2026 ist Wegovy auch als Hochdosis 7,2 mg verfügbar, die in Studien im Schnitt rund 20,7 Prozent erreichte — der Abstand zwischen den Präparaten ist damit kleiner geworden, als SURMOUNT-5 (mit 2,4 mg) nahelegt.
  • Wirksamkeit ist nicht alles: Verträglichkeit, Begleiterkrankungen, Erstattung und Alltagstauglichkeit wiegen im Einzelfall oft schwerer als ein paar Prozentpunkte Durchschnittsunterschied.

Die praktischen Unterschiede jenseits der Wirkung

Beide Medikamente werden wöchentlich gespritzt. Unterschiede zeigen sich bei Zulassung und Erstattung: Wegovy ist ausschliesslich für das Gewichtsmanagement zugelassen (ab 12 Jahren), Mounjaro sowohl für Typ-2-Diabetes als auch für Adipositas. In der Schweiz wird Wegovy unter der BAG-Limitatio von der Grundversicherung übernommen, Mounjaro zur Gewichtsreduktion nicht — als Selbstzahler kostet es rund 450 bis 500 Franken pro vier Wochen gegenüber rund 177 Franken pro Wegovy-Pen. In Deutschland zahlt die gesetzliche Kasse für beide nicht (Lifestyle-Ausschluss), die Selbstzahler-Preise liegen für Wegovy bei rund 172 bis 277 Euro, für Mounjaro bei rund 206 bis 489 Euro monatlich. Auch das Nebenwirkungsprofil ist ähnlich (vor allem Magen-Darm), im Detail aber individuell verschieden.

Der oft übersehene Punkt: der Muskel

Ein stärkerer Gewichtsverlust bedeutet auch: mehr Verantwortung für den Muskelerhalt. Wer schneller und mehr abnimmt, verliert ohne Gegenmassnahmen auch mehr Muskelmasse. Ausreichend Protein und Krafttraining sind deshalb bei beiden Präparaten wichtig — bei der stärkeren Wirkung von Tirzepatid tendenziell noch dringlicher.

Wie du die Entscheidung angehst

Die Wahl zwischen Wegovy und Mounjaro ist keine Ranking-Frage, sondern eine Abwägung, die zu dir passen muss. Sinnvolle Fragen fürs Arztgespräch: Welche Rolle spielen meine Begleiterkrankungen? Wie sieht die Erstattungslage in meinem Land für mich aus? Was bedeutet der Kostenunterschied über die gesamte Therapiedauer? Und wie gehen wir mit Verträglichkeit und Muskelerhalt um? Mit diesen Fragen wird aus der Studienlage eine individuelle Entscheidung.

Fazit

Im direkten Vergleich SURMOUNT-5 war Tirzepatid (Mounjaro) mit durchschnittlich 20,2 Prozent Gewichtsverlust wirksamer als Semaglutid 2,4 mg (Wegovy) mit 13,7 Prozent. Die neue Wegovy-Hochdosis 7,2 mg verkleinert den Abstand. Individuelle Ergebnisse streuen erheblich, und Erstattung, Kosten, Verträglichkeit und Muskelerhalt wiegen im Einzelfall oft schwerer als der Durchschnittsunterschied. Die Wahl trifft die behandelnde Ärztin gemeinsam mit dir.

Grundlage: SURMOUNT-5 (Aronne et al., NEJM 2025), STEP-1 (Wilding et al., NEJM 2021), SURMOUNT-1 (Jastreboff et al., NEJM 2022), öffentliche Preis- und Erstattungsangaben DACH (Stand Juli 2026). Neutrale Information, keine Arzneimittelwerbung, kein Ersatz für ärztliche Beratung. Studienwerte sind Durchschnitte; individuelle Ergebnisse variieren.

Häufige Fragen

Ist Mounjaro wirksamer als Wegovy?

Im direkten Vergleich (SURMOUNT-5, 72 Wochen) erreichte Tirzepatid (Mounjaro) im Durchschnitt 20,2 Prozent Gewichtsverlust gegenüber 13,7 Prozent mit Semaglutid 2,4 mg (Wegovy). Im Durchschnitt wirkt Tirzepatid damit stärker. Individuelle Ergebnisse streuen jedoch erheblich, und seit 2026 gibt es Wegovy auch als Hochdosis 7,2 mg mit im Schnitt rund 20,7 Prozent. Die Wahl bleibt eine ärztliche Einzelfallentscheidung.

Welche Abnehmspritze ist die richtige für mich?

Das entscheidet die behandelnde Ärztin anhand von Gesundheitszustand, Begleiterkrankungen, Verträglichkeit, Alltag und Kosten. Die durchschnittliche Wirksamkeit ist nur ein Faktor unter mehreren. Auch Erstattungsfragen unterscheiden sich: In der Schweiz ist etwa Wegovy unter Bedingungen grundversichert, Mounjaro nicht. Dieser Artikel informiert neutral und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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Nicht ärztlich geprüft. Dieser Artikel beruht auf offiziellen Fachinformationen und Studienliteratur, wurde aber nicht von einer medizinischen Fachperson begutachtet. Penday stellt keine Diagnosen und gibt keine Dosierungsempfehlungen. Bei medizinischen Fragen wende dich an deine behandelnde Ärztin oder deinen Arzt. Unsere redaktionellen Standards