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Allgemein 9 Min. Lesezeit 02.08.2026

Herz-Kreislauf-Schutz durch Semaglutid: Was die SELECT-Studie zeigt

Über 17.000 Teilnehmende, fast 40 Monate Beobachtung: Semaglutid senkte schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse um rund 20 Prozent. Was die Zahlen bedeuten, für wen sie gelten und wo ihre Grenzen liegen.

Als die SELECT-Ergebnisse veröffentlicht wurden, verschob sich die Wahrnehmung von GLP-1-Medikamenten grundlegend: weg vom Abnehmpräparat, hin zu einem Medikament mit belegtem Nutzen für harte gesundheitliche Endpunkte. Die Studie ist bis heute eines der wichtigsten Argumente in der Debatte — und ihre Details lohnen einen genauen Blick.

Was untersucht wurde

SELECT war eine grosse randomisierte Studie mit 17.604 Teilnehmenden: 8.803 erhielten wöchentlich 2,4 mg Semaglutid subkutan, 8.801 Placebo. Eingeschlossen wurden Menschen ab 45 Jahren mit einem BMI von mindestens 27 und einer bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankung — aber ausdrücklich ohne Typ-2-Diabetes. Diese Auswahl war entscheidend: Sie sollte zeigen, ob der Nutzen unabhängig von einer Diabetes-Behandlung besteht. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 39,8 Monate, also gut drei Jahre.

Das Ergebnis

Der primäre Endpunkt war MACE — ein zusammengesetzter Endpunkt aus kardiovaskulär bedingtem Tod, nicht tödlichem Herzinfarkt und nicht tödlichem Schlaganfall. Das Resultat: Im Semaglutid-Arm trat bei 6,5 Prozent der Teilnehmenden ein solches Ereignis auf, im Placebo-Arm bei 8,0 Prozent. Die Hazard Ratio lag bei 0,80 (Konfidenzintervall 0,72 bis 0,90; p kleiner 0,001) — eine relative Risikoreduktion von rund 20 Prozent, statistisch klar abgesichert.

Relative und absolute Zahlen — beide gehören dazu

„20 Prozent weniger Herzinfarkte" klingt spektakulär, und das ist die relative Betrachtung. Ebenso wichtig ist die absolute: Der Unterschied zwischen 8,0 und 6,5 Prozent bedeutet 1,5 Prozentpunkte über gut drei Jahre. Anders gesagt: Von rund 67 behandelten Personen wurde bei etwa einer ein schweres kardiovaskuläres Ereignis verhindert. Das ist ein klinisch bedeutsamer Effekt — bei einer so häufigen Erkrankung übersetzt sich das auf Bevölkerungsebene in sehr viele verhinderte Ereignisse. Aber es bedeutet auch: Die grosse Mehrheit hatte in beiden Gruppen kein Ereignis. Wer beide Perspektiven kennt, bewertet realistischer.

Für wen die Ergebnisse gelten

Studienergebnisse gelten zunächst für die untersuchte Gruppe. SELECT sagt etwas aus über Menschen ab 45 mit BMI ab 27 und bestehender kardiovaskulärer Erkrankung ohne Diabetes. Auf jüngere Menschen ohne Herzvorerkrankung lassen sich die Zahlen nicht direkt übertragen — nicht, weil ein Nutzen ausgeschlossen wäre, sondern weil er dort nicht in dieser Weise geprüft wurde und das absolute Risiko ohnehin niedriger liegt. Ob und wie stark du von diesem Aspekt profitieren könntest, beurteilt deine behandelnde Ärztin anhand deines individuellen Risikoprofils.

Wodurch wirkt der Schutz?

Eine spannende Frage ist, ob der Effekt allein durch den Gewichtsverlust entsteht oder darüber hinaus. Diskutiert werden zusätzliche Mechanismen: günstige Effekte auf Blutdruck, Blutfette, Entzündungsmarker und Gefässfunktion. Eine präspezifizierte Analyse zeigte zudem, dass die Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse auch bei Teilnehmenden mit erhöhtem Leberfibroserisiko deutlich ausfiel — ein Hinweis darauf, dass der Nutzen über verschiedene Risikogruppen hinweg besteht. Die genaue Gewichtung der Mechanismen ist Gegenstand weiterer Forschung.

Was das praktisch verändert hat

SELECT hat die Diskussion verschoben: Wenn ein Medikament nicht nur das Gewicht senkt, sondern nachweislich Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindert, ist die Einordnung als reines „Lifestyle-Präparat" schwerer zu begründen. Genau darauf berufen sich Fachleute, die eine Erstattung fordern — besonders in Deutschland, wo die gesetzliche Kasse zur Gewichtsreduktion nicht zahlt. Zugleich wurde kritisiert, dass eine Strategie fehlt, wie Betroffene von einer solchen Dauertherapie wieder loskommen — eine Frage, die bis heute diskutiert wird.

Fazit

Die SELECT-Studie zeigte bei 17.604 Teilnehmenden ab 45 Jahren mit BMI ab 27 und bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung ohne Diabetes eine signifikante Senkung schwerer kardiovaskulärer Ereignisse: 6,5 gegenüber 8,0 Prozent über knapp 40 Monate, entsprechend rund 20 Prozent relativer Risikoreduktion. Die Ergebnisse gelten zunächst für diese Gruppe. Sie haben die Bewertung von GLP-1 als Medikament mit belegtem Organnutzen wesentlich geprägt.

Grundlage: SELECT-Studie (NEJM), präspezifizierte Subanalysen, Fachberichterstattung (Stand Juli 2026). Neutrale Information, keine Arzneimittelwerbung, kein Ersatz für ärztliche Beratung. Ob und wie du profitieren könntest, beurteilt die behandelnde Ärztin.

Häufige Fragen

Schützt Semaglutid das Herz?

Die SELECT-Studie zeigte bei Menschen ab 45 Jahren mit einem BMI ab 27 und bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung, aber ohne Diabetes, eine signifikante Senkung schwerer kardiovaskulärer Ereignisse: 6,5 Prozent unter Semaglutid gegenüber 8,0 Prozent unter Placebo — eine relative Risikoreduktion von rund 20 Prozent. Ob das für dich zutrifft, hängt von deiner Ausgangslage ab und beurteilt die behandelnde Ärztin.

Gilt der Herzschutz für alle, die abnehmen wollen?

Nein. Die SELECT-Ergebnisse gelten für die untersuchte Gruppe: Menschen ab 45 Jahren mit Übergewicht oder Adipositas und bereits bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung, ohne Diabetes. Auf Menschen ohne kardiovaskuläre Vorerkrankung lassen sich die Zahlen nicht direkt übertragen. Studienergebnisse gelten immer zunächst für die untersuchte Population.

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Nicht ärztlich geprüft. Dieser Artikel beruht auf offiziellen Fachinformationen und Studienliteratur, wurde aber nicht von einer medizinischen Fachperson begutachtet. Penday stellt keine Diagnosen und gibt keine Dosierungsempfehlungen. Bei medizinischen Fragen wende dich an deine behandelnde Ärztin oder deinen Arzt. Unsere redaktionellen Standards