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Nebenwirkungen 5 Min. Lesezeit 12.05.2026

Haarausfall unter GLP-1 — wie häufig, wie ernst, was tun?

Telogenes Effluvium nach Wegovy oder Mounjaro: Warum Haarausfall vorkommt, wann er aufhört und welche Massnahmen die Studien wirklich stützen.

Haarausfall unter GLP-1-Therapie ist real, häufiger als die Fachinformationen suggerieren — und in den allermeisten Fällen vorübergehend. Hier die Datenlage und was tatsächlich hilft.

Häufigkeit

In den Wegovy-Studien (STEP-1 bis STEP-4) berichteten 3–7 % der Teilnehmer:innen Haarausfall. In SURMOUNT-1 (Mounjaro 15 mg) waren es 4,9 % vs. 0,9 % unter Placebo. In realer Patient:innen-Praxis (Forum-Auswertungen, Telemedizin-Plattformen) liegt die berichtete Häufigkeit deutlich höher — bei 15–25 %.

Mechanismus: Telogenes Effluvium

Was hier passiert, ist nicht GLP-1-spezifisch, sondern eine klassische Reaktion auf jeden raschen Gewichtsverlust und Stoffwechsel-Wechsel. Der Mechanismus heisst Telogenes Effluvium:

  • Haare wachsen in 3 Phasen: Wachstum (anagen, 2–7 Jahre), Übergang (catagen, 2–3 Wochen), Ruhe (telogen, 2–4 Monate)
  • Bei Stress (auch metabolischem Stress) gehen viele Haare gleichzeitig in die Ruhephase
  • 2–4 Monate später fallen sie aus — das ist der dramatische Eindruck
  • Die Haarwurzel selbst ist nicht zerstört. Neue Haare wachsen nach.

Zeitlicher Verlauf

  • Beginn: typischerweise 2–4 Monate nach Therapie-Start
  • Höhepunkt: 4–6 Monate nach Therapie-Start
  • Abklingen: 6–9 Monate nach Therapie-Start, wenn das Gewicht stabilisiert
  • Komplette Erholung: 9–18 Monate nach Therapie-Start

Was die Studien stützen

1. Protein-Aufnahme erhöhen

Haare bestehen aus Keratin. Bei sehr niedriger Protein-Zufuhr unter Diät verschlechtert sich die Haar-Qualität messbar. 1,6 g/kg/Tag ist die Empfehlung — das ist auch die Schwelle für Muskelerhalt.

2. Mikronährstoffe testen lassen

Die häufigsten Defizite, die Haarausfall verschlimmern:

  • Eisen / Ferritin: Frauen besonders betroffen. Ziel: Ferritin > 70 ng/ml
  • Zink: Empfohlen 8–11 mg/Tag
  • Vitamin D: Ziel 50–80 nmol/L
  • Biotin: Defizit selten, aber bei deutlich reduzierter Nahrungsaufnahme möglich
  • Selen: 50–70 µg/Tag

Bei Hausärzt:in Blutbild + Eisenstatus (Ferritin, Transferrin-Sättigung), TSH und Vitamin D testen lassen.

3. Schilddrüse prüfen

Eine bisher unbekannte Hypothyreose verschlimmert sich oft unter Diät — und zeigt sich genau im Haarausfall. TSH-Test ist Pflicht.

4. Tempo des Gewichtsverlusts moderieren

Sehr schneller Verlust verstärkt das Telogene Effluvium. Wenn der Haarausfall stark ist: mit Ärzt:in über langsamere Titration sprechen.

Was hilft moderat (limitierte Evidenz, aber meist harmlos)

  • Minoxidil 5 % topisch: studiengestützter Wirkstoff bei chronischem Haarausfall, Effekt bei Telogenem Effluvium aber begrenzt
  • Kollagen-Hydrolysat 10–15 g/Tag — kleine Hautstudien zeigen positive Effekte
  • Niedrige Laser-Therapie (LLLT) — moderate Evidenz, teuer
  • Kopfhaut-Massage — durchblutungsfördernd, harmlos

Was nicht hilft (Marketing-Mythen)

  • Spezielle „GLP-1-Anti-Haarausfall-Shampoos" — kein Wirknachweis
  • Biotin-Supplemente in Megadosen (10.000+ µg) — verfälschen Schilddrüsen-Tests
  • „Haar-Vitamine" in Apotheken — meist teure Multivitamin-Mischungen ohne spezifische Evidenz

Wann zur Hautärzt:in?

  • Haarausfall hält länger als 9 Monate an
  • Kahle Stellen statt diffuser Verdünnung
  • Begleitende Symptome (Müdigkeit, Kälte-Empfindlichkeit, Stimmungsschwankungen) — Hinweise auf Hypothyreose
  • Sehr starker Haarausfall mit Distress

Quellen: Olsen EA, JAMA 2002 (Telogenes Effluvium Übersicht); Goldberg & Lenzy, Skin Therapy Lett 2010 (Diätbedingter Haarausfall); EMA Wegovy / Mounjaro Fachinformationen; Trüeb RM, Dermatol Pract Concept 2017 (Mikronährstoffdefizite und Haarausfall).

Bei dramatischem oder lokal-begrenztem Haarausfall immer dermatologische Abklärung — andere Ursachen (Alopecia areata, vernarbende Alopezien) müssen ausgeschlossen werden.

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Dieser Artikel wurde redaktionell erstellt und mit allgemein anerkannten medizinischen Quellen abgeglichen. Er ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei medizinischen Fragen wende dich bitte an deine behandelnde Ärzt:in.